VIELLEICHT sind die Reservoirs der westlichen Kulturen erschöpft. Der Motor des Fortschritts und der Ausdifferenzierung scheint ein Auslaufmodell zu sein.
Zwar läuft alles auf hohem Niveau weiter, doch scheint es keine substanziellen Ziele mehr zu geben, sondern es gilt, Krisen zu managen, Misserfolge zu vermeiden, Konflikte still zu stellen, Geld zu verdienen und sich irgendwie zu amüsieren. Dies ist ein Zustand latenter Melancholie, eines verborgenen Nihilismus nicht nur der Hoffungslosen, sondern auch der tatkräftigen Entscheider und glamourösen Eliten, die sich regelmäßg blamieren. Vielleicht eine Abdankung, jedenfalls zermürbende Ambivalenzen bei gleichzeitig entfesselter Dynamik ökonomischer Konkurrenz. Zu besichtigen ist eine eigentümliche Ermüdung von Handlungsschwung inmitten eines historisch exorbitanten Niveaus von Potenzialität.
VIELLEICHT sind die Reservoirs der westlichen Kulturen erschöpft. Der Motor des Fortschritts und der Ausdifferenzierung scheint ein Auslaufmodell zu sein.
Zwar läuft alles auf hohem Niveau weiter, doch scheint es keine substanziellen Ziele mehr zu geben, sondern es gilt, Krisen zu managen, Misserfolge zu vermeiden, Konflikte still zu stellen, Geld zu verdienen und sich irgendwie zu amüsieren. Dies ist ein Zustand latenter Melancholie, eines verborgenen Nihilismus nicht nur der Hoffungslosen, sondern auch der tatkräftigen Entscheider und glamourösen Eliten, die sich regelmäßg blamieren. Vielleicht eine Abdankung, jedenfalls zermürbende Ambivalenzen bei gleichzeitig entfesselter Dynamik ökonomischer Konkurrenz. Zu besichtigen ist eine eigentümliche Ermüdung von Handlungsschwung inmitten eines historisch exorbitanten Niveaus von Potenzialität.
“Das Universum ist nicht begrenzt; die Ordnung, die darin herrscht, ist so großzügig angelegt, dass keine Notwendigkeit besteht, das, was irgendwo existiert, anderswo zu wiederholen. Auch auf unserer Erde existiert mehr, als wir wissen; die Ordnung in der Schöpfung ist die, die Sie in die Schöpfung hineinlegen, wie einen Faden in ein Labyrinth, damit Sie sich nicht verirren. Das Dasein hat seine eigene Ordnung, eine, die der menschliche Verstand nicht erfassen kann, denn er ist nur ein Bestandteil davon.
…
Wenn du nichts anderes hast, ersinne aus dem Nichts Zeremonien und hauche ihnen Leben ein.
…
Die jungen Leute heutzutage haben es anscheinend schwer mit dem Erwachsenwerden. Ich weiß nicht, wieso. Vielleicht liegt’s einfach daran, dass man nur so schnell erwachsen wird, wie man muss.
…
Du glaubst, wenn du morgens aufwachst, dass das Gestern nicht zählt. Dabei zählt nichts anderes. Was gibt es denn außerdem noch? Dein Leben besteht aus den Tagen, aus denen es besteht. Aus nichts anderem. Du glaubst vielleicht, du könntest weglaufen, deinen Namen ändern und was weiß ich noch alles. Nochmal von vorn anfangen. Und dann wachst du eines Morgens auf und starrst die Decke an, und rate mal, wer da liegt?”
…und wahnsinn ist tatsächlich ansteckend.
…und wahnsinn ist tatsächlich ansteckend.
eine welt, materiell, aber unwirklich, in der anspruchsvolle geister herumirren, die imitationen, artikel, statt luft atmen. dabei kehren die einfachen dinge zu uns zurück. sie verharren für einen augenblick vor unserer brust. lassen wir sie hinein greifen, drehen sie das herz ein stück zurück - und allen, die mit wörtern, wörtern, aber keiner stimme, keiner sprache daherkommen, die zunge erkaltet.
eine welt, materiell, aber unwirklich, in der anspruchsvolle geister herumirren, die imitationen, artikel, statt luft atmen. dabei kehren die einfachen dinge zu uns zurück. sie verharren für einen augenblick vor unserer brust. lassen wir sie hinein greifen, drehen sie das herz ein stück zurück - und allen, die mit wörtern, wörtern, aber keiner stimme, keiner sprache daherkommen, die zunge erkaltet.
the more you know who you are, and what you want, the less you let things upset you
die moderne welt ist die der trugbilder…
die moderne welt ist die der trugbilder…
far away from my wasteland
I’ll never know when I might ambulance
or hoist the horns with my own hands
almost
Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich jemals so etwas wie aufrichtige Abscheu oder Ablehnung gegenüber der Pornografie empfand. Natürlich hat dies mit meinem Werdegang zu tun, jedoch sollte man nicht meinen, dass dies bei meinem Beruf eine offensichtliche oder reibungslose Ansicht wäre – besonders in der heutigen Zeit. Meine Adoleszenz war zugleich die Blütezeit der Sexkinos und der Zeitpunkt, als die sogenannte Sexwelle Hochkonjunktur erlebte, die Menschen durch die Straßen zogen und den Kampf um die Freizügigkeit zu gewinnen schienen – ich nehme an, dies prägte mich für den Rest meines Lebens. Zu der damaligen pubertären Zeit konsumierte ich mehr Erotikfilme, so hießen sie früher, als irgendein anderer Mensch meiner Generation, also als jeder andere Mensch meines Alters und die Tatsache, dass es Momente des Überdrusses und der Langeweile gab, änderten nicht viel an meiner frühen Auffassung von Pornografie. Klar, sonst wäre ich nicht der geworden, der ich heute bin. Um eines von vorhinein klar zu stellen: So ein richtig gut inszenierter Fick – das ist eine Kunst für sich.
Nun, das eben Gesagte ist leider Gottes heutzutage nur noch ein Schmunzeln oder ein Grinsen wert. Ich bin, ja doch fast, mein ganzes erwachsenes Leben lang im Stechschritt mit der Pornoindustrie gegangen, welche wohlgemerkt früher im wahrsten Sinne des Wortes eine Industrie bildete, die meiner Exzentrizität und Gesinnung Genugtuung verlieh, bevor sie überschwemmt wurde mit dilettantischen, notgeilen und vor allem geldgierigen Amateuren. Die technische Entwicklung und dadurch Verbreitung von billigsten Aufnahme- und Rekorder- Material Anfang der 90er-Jahre war ein Knick für meine Karriere als Regisseur pornografischer Filme, den ich dank meiner Leidenschaft und damals schon ausführlichen Kompetenz, in Gegensatz zu anderen leicht wegstecken konnte. Eigentlich gab es nie einen Knick, es war umgekehrt: In den 90er-Jahren ging es mir eigentlich noch ziemlich prächtig. Es war das Internet mit seinem im Effekt der Gravitation ähnlicher Wirkung, das keinem von meiner Sorte nicht die Knie erzittern ließ – bis heute. Das Internet bewies mir nicht nur, dass wir modernen Menschen wirklich versaut sind und zwar noch versauter als auch meine dreckigsten und härtesten Produktionen, nein, dies war anzunehmen und auch vorzeitig erkennbar in meinem Milieu, aber vor allem bewies mir das Netz, dass sich Qualität nicht primär durchsetzen kann – besonders dann, wann es um einen Fick geht.
Auch ohne Soziologiestudium ist die Sache für mich ganz plausibel. Dennoch: die Tatsache, dass die Menschen da draußen mehr denn je Pornografie in Bild und Ton konsumieren, aber wir seriösen Filmemacher mehr denn je finanziell in der Klemme stecken, obschon diese Menschen da draußen sehr viele Pornos gucken, also ziemlich viele Pornos, ich meine jetzt richtig richtig viele Pornos gucken, bedrückt mich. Das Problem liegt nicht darin, dass sie nicht meine Pornofilme anschauen oder mir zunehmend die Aufträge ausgehen, da der ganze Markt quasi nur noch aus Netzpornografie besteht – damit würde ich fertig werden, ich hatte ja meine glorreiche Zeit -, aber mir geht es wie dem ambitionierten Schriftsteller, der keine Bücher mehr verkauft, da der Großteil der Leute zunehmend aufgehört hat Bücher richtig zu lesen, sondern damit angefangen hat irgendwelche einmal-blättern-und-runterschlucken-Literatur zu konsumieren. Sie wissen, wie ich das meine: Die wahre Kunst geht abhanden, die wahre Kunst ist nur noch ein Opfer des Glücksfalls. Sollte irgendein Mensch mich und mein Studio besichtigten und mir erzählen, er möchte gerne wahre Kunst produzieren, einen richtig inszenierten und taktvollen Fick aufnehmen, würde auch ich zunächst nur lachen. Das bedrückt mich – diese seelisch bankrotten Zeiten, die heute herrschen.
So irritierend diese Entwicklung ist, sie hat freilich ihre Gründe. Wir haben früher stets pornografische Filme gedreht, heute werden Pornos gemacht. Das ist ein gewaltiger Unterschied: pornografische Filme drehen oder Pornos machen. So ein amateurhaft aufgenommener Gang-Bang oder die undurchschaubare Masse an Sammlungen von Amateurnacktmodels oder die leicht verpixelten Cumshots oder die schlichte und ich sage mal unkonventionelle Ansicht einer nicht hundertprozentigen Erotikschauspielerin, verleiht vielen Konsumenten da draußen das Gefühl ein Stück sexueller Realität zu erleben, obschon diese Sachen ja ebenso geplant und in Szene gesetzt sind, wie ein herkömmlich produzierter Film. Man muss es ihnen nur richtig verkaufen können. Für viele ist die Tatsache, dass so ein Film bei youporn.com oder porntube.com ist, also dass so ein Ding im Internet ist, Grund genug an zu nehmen, dass da irgendwelche realen und normalen Menschen spontan drauf los ficken. Damit einen Haufen Ruhm und Kohle. Als ob dies der Status-Quo einer Affäre oder Beziehung heut zu Tage wäre: Hey Du, lass uns erst Mal einen Porno machen. Das Bedrückende dabei ist: Mit diesen Gedankengut gehen aber tatsächlich viele Menschen bewusst und unbewusst durch die Welt spazieren – anstatt wie meine Generation einen guten, ehrlichen, anständigen Fick in sich zu tragen, wollen sie Pornos machen. Als ob sie im Internet leben würden – jeder ist heute ein Stück weit sein eigener Schauspieler, seine eigene Inszenierung, seine Selbstdarstellung, ganz kostenlos oder auf eigene Kosten egozentrisch.
Mit wenigen Ausnahmen, war es in meinen glorreichen Zeiten anders: Wir, die Crew in Form von Verantwortlichen für Beleuchtung, Drehbuch, Szenenschnitt sprich Cutter, die Schauspieler, manchmal auch Tontechniker und Setorganisatoren und ich als Regisseur und/oder Kameramann, je nach dem wie viele eingesetzt wurden, hatten stets ein Leitkonzept. Ein richtiges Konzept hatten wir und nicht nur notorische Geilheit hier und da. Wenn du früher einen pornografischen Film gedreht hast, dann war das eine Aufgabe mit Leib und Seele, ja, eine Vision war das. Niemals und zu keinem Zeitpunkt wurde einfach nur aus dem Grund heraus gedreht, dass ein Mann diesen Film im Vorbeigehen kauft und sich dazu einmal einen runterholt und schließlich seinen Hosenschlitz wieder zumacht, ohne wirklich auch nur einen Tau drauf zu geben, wieso es ihm gerade vorhin gekommen ist. Natürlich war das auf eine Art Wünschenswert, banal gesagt lebten wir ja genau von dieser Tatsache, aber für uns alle, die Beteiligten, war so ein Film nicht eine schnelle Nummer im Terminkalender – abgesehen davon, dass so eine Crew meistens mehrere Filme gemeinsam drehte und die Schauspieler mit der Zeit zu richtigen Pornogrößen erkoren wurden. Ich sage es mal so: Die Geilheit, die wir erzeugten, war mit Herz- und Karriereblut gezielt erzeugt, sie war nicht das A und O, sondern ein Faktum von vielen, dass eine gute Produktion ausmachte. Wie gesagt: Wir haben Filme gedreht.
Die Pornofilmindustrie ist in etwa für das Sexleben der Menschen so wichtig, wie die Sportartikelindustrie für die Sportbegeisterten: Allein in Deutschland werden mehr als 1000 Filme pro Monat gedreht, die Umsätze werden auf 800 Millionen Euro Jährlich geschätzt – nur im deutschsprachigen Raum, wohlgemerkt. Wir wissen, ich spreche von uns übrig gebliebenen seriösen Filmemachern, dass es da draußen viele Pärchen gibt, die den Pornokonsum als Genuss ansehen. Im Ernst: Gesellschaftlich ist Pornografie so akzeptiert wie sich ordentlich mal einen hinter die Birne zu kippen, d.h. fast niemand würde je im puren Ernst behaupten, dass er es damit richtig und lebenstechnisch sinnvoll meint, aber fast alle tun es, auch unbewusst. Die Produktionsfirma, die mich anstellt, kann sich von Jahr zu Jahr bei einen stätig wachsenden Mehrwert an Anfragen für Jobs oder gar Auftritt-Möglichkeiten kaum retten – Paare melden sich, ob sie denn nicht bei einem Dreh ihre Fähigkeiten beweisen könnten, selbsternannte Sexkönige wollen ihre Kompetenzen filmtechnisch ausbeuten und was die Quote an weiblichen Möchtegernpornqueens betrifft, ehrlich, nicht der Rede wert, Sie würden es eh kaum glauben wollen. Pornokünstlerin werden ist ein ambitioniertes Ziel mit vielen Illusionen – aber wenn irgend so ein Mädchen wirklich will, etwas zu bieten hat und keinen Zweifel darin lässt, dass sie es will, sie wird es schaffen, wird sich karrieristisch verewigen können und mit Glück auch dauerhaft glücklich werden – der Wille und die Ausdauer zählen, denn eines weiß ich nach all den Jahren ganz genau: Zu dumm kann man für Porno nie sein. Ich spreche jedoch immer noch von uns, den seriösen Machern. In unseren Filmen war so etwas wie Gleichberechtigung nie ein Thema, ein Fick ist ein Fick und dazu braucht es sowohl den Mann als auch die Frau. Viele Künstlerinnen konnten bei uns in großen Teilen autonom ihr Programm bestimmen – niemand wurde dazu gezwungen, sich alle Körperöffnungen vollstopfen zu lassen mit Materialen oder Schwänzen oder anderen Körperteilen. Wenn ich mich heute durch die Netzarchive durchklicke auf der Suche nach den neuen Trends, fällt mir als aller erstes eine Boshaftigkeit auf, die bei uns nie da gewesen ist: Unsere Filme handelten vom von erotischen Sex, vom expliziten Fick zwischen Menschen; die Netzpornos handeln zumeist nur mehr davon, wie eine Frau gefickt wird, das Gesicht des männlichen oder der männlichen Darsteller wird kaum gezeigt. Bei uns war das anders.
Aber dennoch: Ich kann niemanden erklären, dass ich das, was ich mache, irgendwie liebe und darin eine erfüllende Tätigkeit sehe, sofern er oder sie es sich nicht erklären lassen will. Ich muss dies ausdrücklich erwähnen, fortwährend, in jeder Diskussion, vor allem mit irgendeiner selbsternannten Feminismus-beauftragen oder hyperverweichlichten Elternverbindungen, denn versetzen Sie sich mal in meine Lage als Regisseur von pornografischen Filmen. Was meinen Sie denn, mit vielen Klischees und Vorurteilen ich konfrontiert werde? Im Vergleich zu mir wird sogar ein wahrhaftig durch die Straßen pöbelnder Jungnazi, der wahrhaftigen Schaden anzettelt, mit mehr Verständnis und Verstehen-wollen gesäumt als ich, der perverse Moloch, der jede neue Generation an Jugend in den Abgrund der Vulgarität treibt, der gottlose Chauvinist, der keiner Frau auch nur etwas anderes als Sexappeal zusprechen würde, der kranke Psycho, der Geld mit widerlicher, destruktiver Anomalität verdient usw. usf. – Sie ahnen auf was ich hinaus will: Ebenso groß wie der Zuspruch zu meiner Arbeit vorhanden ist, mangelt es mir und meiner Branche nicht an verbitterten Feinden, die uns die Teilschuld an der nahende Apokalypse geben wollen. Als ob wir, als ob ich, als ob Gina Schuld daran hätte, dass die Leute unsere Produktionen anschauen oder dass die Kinderpornografie traurigste Ausmaße erreicht hat. Aber so funktioniert der Zyklus der Toleranz beim Menschen: Die Hölle, das sind letztendlich immer die anderen und mich sowie meine Branche anzugreifen, ist ja zugegebenermaßen sehr leicht. Das Überleben in dieser Branche verlangt somit zunehmend einen Grad an Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, der meines Erachtens nicht viel kranker sein könnte, was auch so viel heißt, dass die Boshaftigkeit und Abscheulichkeit der Produktionen weiter steigen wird – da nutzt auch kein Augenreiben.
Jedoch so wie der totale Krieg ist die totale Wahrheit im Grunde ziemlich banal: Die Menschen heute wollen es so. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, anders gesagt. Das Bedürfnis zu beobachten wie ein Gang-Bang in einer Cumshot-Orgie endet oder wie zwei Männer einen Mann oder eine Frau sextechnisch ordentlich ran nehmen oder wie Minderjährige nackt posieren oder wie vollkommen entblößte Menschen sich gegenseitig anpissen oder ankacken und sich danach in dieser Sauerei bis zum Orgasmus suhlen, all dies fortwährend kameratechnisch im Close-Up auf die Geschlechtsteile aufgenommen, ja, dieses Bedürfnis ist ebenso vorhanden wie jenes nach sauberen Wasser – zu mindestens ist dies die Erklärung, weswegen eine Internetpornoplattform ohne diese Features nicht mehr konkurrenzfähig ist. Konkurrenzfähig – das ist das Wort der Wörter. Auch die anziehendste und aufregendste Pornodarstellerin wird sich heute dem Markt nicht stellen können, sofern sie sich weigert auch die härteren Sachen mit zu machen; nur als Teil dieser Prozedur schafft sie den Sprung zur Pornqueen. Der Schauspieler muss naturgemäß auch gewollt sein mit zu machen, was definitiv nicht eine Sache der Selbstverständlichkeit ist; zwar haben die männlichen Darsteller weniger Befürchtungen, aber es ist weiß Gott nicht so, dass ihnen all dies hemmungslos von der Hand geht. Letztendlich entscheidet in letzter Instanz das Geld. Die Menschen wollen auch die 45ste Folge von White Slutty Bitches, ebenso wie sie in naher Zukunft auch nach der 60ste Version dieser Filmreihe lechzen werden und wenn sie Rudelbumsen erwarten, werden sie Rudelbumsen bekommen, wenn sie Gewalt wollen, werden sie Gewalt bekommen und sollte das Verlangen nach Anpissen sprich Urophilie und nach Anscheißen sprich Koprophilie weiter wachsen, werden sie auch mehr davon bekommen. Der Teufelskreis schließt sich nicht bei uns – egal wie dreckig und hart die Pornofilmindustrie noch wird, die Menschen hinter den Kulissen und Szenen und die Welt außerhalb der Studios ist noch dreckiger und härter, sodass das Angebot an willigen Schauspielern und Käufern nicht ausgehen wird. Dieser Wirtschaftszweig wächst und wächst und der Cumshot, der all dies beenden könnte, ist nicht in Sicht. Die Pornoindustrie ist in Zahlen und Statistiken wertvoller als das Musikbusiness – verstehe dies einer wie er wolle. Sex sells ist ein guter Ansatz. Auch ich habe nach diesem Prinzip einen Haufen Kohle gemacht. Wo verdient denn ein Mensch ohne Ausbildung und ohne ansehnliche Kompetenzen in kürzester Zeit mehr Geld als ein Arzt? Richtig, Porno. Die Szenenkönige heute wissen ziemlich genau, wieso sie all die Dinge tun, die sie nun mal machen – bei den Konsumenten da draußen bin ich mir da aber nicht so sicher.
Nun, es ist eine berufsbedingte und langlebige Spekulation in mir, aber trotzdem konnte ich dieser Frage niemals wirklich zur Gänze entkommen: Was denkt sich dieser Mensch, was spielt sich im Kopf all dieser Millionen Menschen ab, wenn sie beispielsweise sehen wie eine Darstellerin von fünf Schwänzen vollgespritzt wird? Meinetwegen Männer. Denken sie sich, dass ihr Schwanz zu diesen fünf dazugehört? Aber der schwitzt ja in ihrer Faust und nicht vor dem Gesicht der Darstellerin! Denken sie an die Möglichkeit und die Macht zu diesen fünf Schwänzen dazu zugehören? Aber wieso masturbieren sie dann jeden Tag weiter, wo die Möglichkeit und Macht immer noch die gleiche bleibt: Nämlich null. Was zum Teufel heißt und bedeutet dies den letztendlich, sobald scheinbar ein großer Teil der westlichen Hemisphäre dieser Welt verrückt nach Pornos ist? Sie sind verrückt danach. In Namen und unter dem großen Banner der sexuellen Freiheit. In Namen der Freiheit wird auf Grund sexueller Lust aufeinander wortwörtlich geschissen und gepisst, bespuckt und besudelt, gewürgt und geschlagen. Ich habe auch schon mit Leuten gearbeitet, die auf jemanden geschissen haben oder die sich anscheißen ließen, ich kenne viele Leute und habe auch schon von vielen gehört, dass sie gerne auf andere Menschen scheißen und auch scheißen würden, wenn sie den könnten oder dürften; eigentlich kenne ich zu viele Menschen, die auf alles scheißen würden, eigentlich scheißen sie ja auch fortwährend auf alles, außer auf sich selbst. Doch die Leute die ich kenne, die haben sich danach ins Fäustchen gelacht und das Geld kassiert – in ihrer Pornokarriere ist sowas eine schnell vergessene Lappalie. Was denken sich also tagtäglich diese Aber- und Abermillionen Konsumenten billigster Pornounterhaltung? Ich finde mich damit ab, dass sie eben gar nichts denken und die Entwicklung, die Sache genau deshalb so ist. Ich finde mich damit ab, dass ich mich als Künstler verstehe, der mit der unteranderem tiefsten aller Empfindungen des Menschen spielt: Der Lust.
Natürlich fände ich es sehr zuvorkommend, wenn Pornofilme wieder mehr Filme und weniger Pornos wären, nicht nur berufsbedingt, auch seelisch bedingt. Denn ich ertrage diese ganze Scheiße nicht mehr. Wir und damit meine ich nicht nur uns Regisseure, Produzenten und Darsteller, sondern auch die die Rezipienten, wir haben die menschliche Sexualität übertrieben. Wir haben aus Bedürfnis und Geld heraus eine übertriebene Darstellung menschlicher Sexualität gewagt, aber mittlerweile haben wir die menschliche Sexualität an sich überboten. Wir haben sie über und durch alle Himmelssphären geschossen, sodass ich mir denke, dass die einzigen zwei Sternbilder, die des Nachts noch sichtbar sind für uns, die Namen Penis und Vagina tragen – so vernarrt und allumfassend ist ihre Präsenz für uns. Wie gesagt: Es sind seelisch bankrotte Zeiten. Ein gut inszenierter Fick. Das ist eine Kunst für sich. Aber wissen sie, bei der passenden Konstellation funktioniert das im Grunde ganz einfach und selbstlaufend: Es geht ja nicht um den Sex, ES GEHT NICHT UM DEN PORNO, sondern um den Ernst der Sache, das Herzblut – bei guten Filmen, bei meinen Filmen ist der Ernst vorhanden, der haftet im und am Zuschauer weiter; im Gegensatz zu den Genitalflüssigkeiten, die werden sie so oder so immer los werden.
Copyright ©Boris Matic, 2011
“Wenn ich jetzt denke, wie besorgt ich war wegen dem bisschen, was ich wusste, jetzt, wo ich den Rest weiß, dann sage ich mir, ich hätte eigentlich keinen Grund gehabt, mir Sorgen zu machen. Den ganzen Tag lang hab ich gedacht, wie angenehm es wäre, wenn ich einfach zu gestern zurückkehren könnte und mir nicht mehr Sorgen machen müsste als da.
…
Denn immer, denkt [ER], wenn etwas zur Gewohnheit wird, dann entfernt es sich auch bald ein gutes Stück von der Wahrheit und den Tatsachen.
…
Es heißt, der geübte Lügner sei es, der zu täuschen vermag. Doch oft genug täuscht der geübte und chronische Lügner nur sich selbst; wohingegen die Lügen dessen, der sich sein Leben lang der Wahrheit verschrieben hat, am ehesten geglaubt werden.
…
Das Gedächtnis glaubt, ehe das Wissen sich erinnert.
…
Sie erzählt nun ihm, während sie selber mit schweren Leib auf dem Sackpolster sitzt, das Gesicht ruhig und friedlich, und er sie ebenso ruhig betrachtet; sie erzählt ihm mehr, als ihr bewusst ist, so wie sie nun schon öfter in den vier Wochen, die sie unterwegs ist, fremden Gesichtern erzählt hat, unter denen sie sich mit der gleichen ungetrübten Gelassenheit bewegt hat, mit der eine Jahreszeit in die andere übergeht. Und [ER] seinerseits erhält das Bild einer jungen Frau, die betrogen und sitzengelassen wurde und die nicht einmal erkennt, dass sie sitzengelassen wurde…”
„Ich glaube, er wollte mir vermitteln, dass dieser Sex eine genau genommen sehr einsame Tätigkeit ist, dass ich diese Meinung vielleicht noch nicht vollkommen begreifen könne, aber es später einmal erführe, wann ich soweit wäre und sobald ich es mit irgendjemanden auch mal gemacht hätte, den ich hoffentlich lieben und der auch mich hoffentlich lieben würde. Er meinte, dass er sich viel wohler fühle, wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt warten würde, was aber nicht hieße, dass er es mir verbietet in Zukunft solche Filme anzuschauen; ich sei schließlich alt genug um mir selbst ein Bild davon zu machen, aber erwischen lassen soll ich mich gefälligst von niemanden. Vor allem nicht von meiner Mutter, denn wenn die einen Schimmer davon kriegen würde, dass ich mir pornografische Filme anschaue, na dann, ja, dann könnte ich wohl was erleben von ihrer Seite aus, sagte mein Vater, blickte mir dabei in die Augen, schließlich wiederholte er sich irgendwie nochmals: „Ich will dir nur sagen, dass ich weiß, dass dieses ganze Zeug sicherlich interessant für dich ist, aber ich mache mir Sorgen, dass du einiges missverstehst, also über das, was die da eigentlich machen. Sex kann eine wunderbar tiefe und verbindende Tätigkeit sein, nicht nur dieses Rein und Raus, vorwärts und rückwärts, wie du es da beobachtest, das ist nur das Körperliche und im Grunde ist das auf diese Art und Weise, wie die es da machen, eine ziemliche einsame Sache. Du wirst schon noch erleben, was ich meine. Wann es soweit ist. Vorerst würde ich mir wünschen, dass du dir diese Sachen nicht mehr ansiehst.“ Der Schock saß mir noch zu sehr im Nacken, als dass meine Antwort mehr als ein Nicken hätte sein können, dafür nickte ich aber gleich drei Mal und schaute dann auf meinen offenen Reisverschluss. Meine Unterhose war violett.“
„Eigentlich war ich mir fast hundertprozentig sicher, dass ich das Haus eine Weile lang für mich allein haben würde: Meine Mutter war noch auf der Arbeit und würde nicht vor fünf Uhr nachmittags heim kommen, außerdem passierte es meiner Erinnerung nach noch niemals, dass mein Vater plötzlich nach fünf Minuten wieder kehrt machte und nochmals daheim aufblitzte, nachdem er schon raus gezogen war um die ganzen geschäftlichen Sachen zu tun, welche mich keineswegs interessieren, noch etwas mit mir zu tun haben. Als er sich verabschiedete und ich daraufhin die Haustür krachen hörte, war ich in Gedanken schon längst bei dieser Sache und irgendwas versetzte mich innerlich in Unruhe, zu mindestens glaube ich das, denn irgendwie wird diese Sache auf einmal so wichtig und bedeutend, ich kann mich nur mehr auf sie und dieses aufbrausende Körpergefühl konzentrieren, auf diesen inneren Impuls, wenn sie wissen was ich meine, oder kann man das so sagen? Ich weiß nicht wieso, aber es passiert einfach. Vor allem, wann ich dann das Haus ab und zu ganz für mich alleine habe, sobald sich diese Konstellation ergibt, komme ich sozusagen auf Hochtouren und ich glaube, eine Besessenheit oder Krankheit packt mich dann; auf alle Fälle drehe ich die Boxen und den Ton weit auf. Ich weiß nicht mal, wie laut das dann werden kann oder ob das alles überhaupt laut ist, ich konzentriere mich nur noch auf mein Körpergefühl und den Ton, diese besonderen Geräusche, das Glitschige und Feuchte in Form von Schallwellen, das Schlucken und Stöhnen, das tiefe Atmen und die Reibung, manchmal auch das Schreien und Aufeinanderprallen; ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt genau sagen könnte, was da alles aufeinander kommt, denn es ist ja fast immer die gleiche Tonmischung die hörbar ist und irgendwann verliert man ein Ohr für die Details, aber es hört sich im Großen und Ganzen definitiv nach körperlicher Anstrengung oder Sport an. Ich mag das ganz gerne, nun ja, zugegeben: Wie schon erwähnt, vielleicht bin ich auch gierig danach, es macht mich vielleicht besessen, weil sonst und normalerweise muss ich den Ton ja stets abschalten, die Sache ganz heimlich machen, wann die Eltern im Haus sind. Ich war also mit vollkommener Hingabe bei der Sache und fixiert auf den Monitor meines Computers, gebannt von den Geräuschen, mein ganzen Wesen fest im Griff des besonderen Körpergefühls. Ist ja jetzt auch ziemlich albern und unnötig zu beschreiben, wo ich meine Hände hatte und was ich ganz konkret gemacht habe, und ohne jetzt schelmisch zu wirken: Ich glaube sie wissen, wie das ist. Nicht? Auf alle Fälle kommt es mir unfassbar schnell hoch, also ich bin quasi überwältigt von den ganzen Eindrücken und dem Körpergefühl, wobei ich sagen muss, wann ich die Sache mit Ton mache, dann geht alles viel schneller von statten – ich weiß ja auch nicht wieso -, wie schon gesagt, es kommt mir einfach sehr schnell hoch und ich weiß nur noch, wie ich reflexartig aufstehe und das vor mir liegende, vorhin ausgebreitete Taschentuch mit einer Hand schnappe, vor mich hin halte und den Kopf in die Höhe recke, alles ganz wie immer, und als ich schließlich zum Abschluss krönend und entscheidend tief Ausatmen will, also genau in diesem immer erlösenden und profunden Moment, daran kann ich mich noch klar erinnern, bemerke ich wie der Bariton meines Vaters von hinten mein Ohr erreicht: „Komm mal schnell runter und hilf… Ooh.“ Habe ich ihn angeguckt? Alles glitt mir aus der Hand und eine heisere Stimme stöhnte deutlich hörbar aus den Boxen.“
„Mein Zimmer hat vier Wände und nicht allzu schnell realisiert ein Besucher, dass alle vier weiß sind: Ich tapeziere alles mit Postern, sofern Kleber und Kohäsion erlauben. Die geometrischen Richtlinien und Ordnungen lasse ich dabei unbeachtet; das Poster und Bild an sich zählt, die Anordnung interessiert mich wenig. Eigentlich finde ich schiefe Poster auch viel eleganter. Die meisten derjenigen, die auf meinen Wänden kleben, beachte ich aber fast gar nicht mehr, sodass mir ihre Stellung und Position erst recht, gelinde gesagt, ziemlich schnuppe ist. Eins davon ist aber viel zu auffällig, als dass ich es nicht täglich wahrnehmen würde: Hinter meinem Monitor oder besser gesagt, hinter meinem Schreibtisch, klebt ein in die Breite gehendes Poster von Eminem. Ich dachte mir schon öfters, eigentlich sollte ich es abnehmen und entfernen, weil ich höre ja schon lange nicht mehr Eminem oder habe auch keineswegs mehr irgendeinen Bezug zu ihm, aber letztendlich hatte ich noch keine Zeit oder keine Lust da irgendwas zu ändern, im Endeffekt ist es ja auch nicht so tierisch schlimm oder grässlich, dass da mein Hip Hop Idol einstiger Tage hängt. Immer, wann ich von Monitor abschweife oder vom Schreibtisch aufstehe, erblicke ich Eminem - na und?“
„Also was die Sache betrifft, bin ich zweifellos schon, nun ja, irgendwie bin ich da schon Experte darin. Wissen sie was ich meine? Ich versteh mich halt richtig gut drauf. Ich erinnere mich, wie mich einst ein Freund fragte, ob ich denn Seiten im Netz kennen würde und ich konnte ihm da sehr, sehr viel erzählen. Damals schon. Ich war auch irgendwie stolz darauf, so ein unbestechliches und wertvolles Wissen in den Augen anderer Jungen zu besitzen. Es ist ja auch nicht alles so einfach wie es scheint, obschon jeder meint zu wissen, um was es sich dabei dreht und was da passiert, bei diesen ganzen Sachen. Ganz ehrlich: Wenn es so einfach wäre, hätte ich ja schon irgendwann aufgehört, in irgendeinem Alter. Aber die Möglichkeiten und Varianten der Sache sind so vielfältig, dass man, sofern man irgendwann den Punkt erreicht, nicht aufhören kann, weil es so spannend ist. Beispielsweise habe ich mit der Zeit ein Faible für Prominente, umgangssprachlich Stars und Sternchen, oder Celebrities entwickelt. Ich mag das eigentlich schon sehr, weil die Sache bei ihnen nicht so offensichtlich und lax ist, da braucht man auch ein bisschen Phantasie und Lust, um das zu genießen. Bei denen ist es halt nie so gestellt wie bei den Profis, es sind ja auch oft einfach anregende Bilder von ihnen in unvorteilhaften Posen oder Kleidern, wo man vielleicht ein bisschen was durch sieht oder ein Körperteil zu viel entblößt ist, also so Spielereien, die finde ich schon begehrenswert: Vor allem wenn mir Leute dann von dieser oder jener Prominenten erzählen und ich in meinem Kopf eventuell unvorteilhafte Bilder von ihr habe, sowas finde ich halt schon irgendwie spannend und witzig. Natürlich habe ich auch schon öfters das richtige, wie man so sagt, härtere Zeug gesehen, das tut manchmal schon gut; ich weiß nicht, ob ich es damit nun übertreibe: Aber stellen sie sich vor, sie fahren einen Ferrari, es ist einfach rasend schnell und irgendwie schon am Limit, sie wissen, eigentlich ist das alles schon zu schnell und irgendwie auch krank im Sinne von unverantwortlich, aber es macht einfach Spaß, es kribbelt so schön von einem Moment auf den anderen. War das jetzt übertrieben? Egal, also so denke ich mir das halt, wenn es denn unbedingt ein Vergleich sein soll. Ich finde ja auch einfach das Normale ganz in Ordnung, also wenn Leute wie du und ich die Sache machen und sie in dem Sinne veröffentlichen, das übt auf mich immer den charmanten Realitätseffekt aus: Ich denke mir halt, dass das schön real und authentisch ist. Ich finde schon, dass es das ist.“
„Mittlerweile im Grunde täglich. Also mathematisch ausgedrückt, um mir die Floskel nun zu erlauben, gibt es da eine Konstante: Meinen Computer. Oder ist das Physik? Ich weiß ja nicht, ob das jetzt normal oder krank ist, dass ich da keine Chance auslasse um die Sache zu machen, dass ich, wann immer ich vor meinem PC und im Netz bin, damit anfange. Ist das krank? Uns wird ja oft erzählt, nein, mehr noch, Erwachsene witzeln ja oft über uns, von wegen Pubertät und Mädchen und all dies und das, meine Eltern fragen mich auch manchmal ganz offensichtlich, ob ich denn ein Mädchen kennen gelernt hätte beim Ausgehen, samstags, also ganz ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, da musst du kein Psychologe sein, um den Unterton zu verstehen, was sie damit eigentlich meinen, Junge, also mit 17 Jahren darf man auch schon an Mädchen denken, klar? Ich frage mich da manchmal, sind die verunsichert und ahnungslos, oder bin ich es, der da etwas nicht verstanden hat? Ich bin ja auch kein Psychologe, aber sie müssten ja nur den Fernseher einschalten, läuft ja auch da genug. Ich bin jetzt mal ehrlich: Meistens mache ich es öfters, ab und zu auch drei Mal am Tag. Wenn ich annehme, dass zwei Mal täglich der Durchschnitt ist, so komme ich auf etwa vierzehn Mal wöchentlich, also circa siebzig Mal im Monat und um es zu Ende zu führen, d.h. achthundertvierzig Mal im Jahr. Das ist nun mathematisch ausgedrückt. Alles grob geschätzt. Meine Jugend dauert ja nun auch schon einige Zeit lang an, also ist das viel? Ganz im Ernst: Ich habe da keine Vergleichszahlen, sowas fragt man ja nicht mal seinen besten Freund, man witzelt halt darüber, aber so richtig nach fragen? Das wäre lächerlich.“
„Damals, als es ganz neu war, haben wir uns schon sehr cool gefühlt. Ich denke mir, man konnte so richtig leicht sehen, wie überlegen wir uns denen fühlten, die das nicht kannten. Wie wir rumwitzelten, wie wir scherzten während der Schulzeit, in den Schulstunden. Wir wünschten uns von unseren Eltern extra Klebestifte, anstatt flüssigen Kleber oder sonst was, ich fand das ungemein witzig: Wie mich meine Mutter beim Schuleinkauf anlächelte, als ich anstatt nach normalen Kleber, nach einem Klebestift fast schon gefleht habe; sie verstand es sicherlich nicht. Praktisch waren diese Stifte für jede Art Anspielung gut: Das Rein- und Rausschieben des halbfesten Klebstoffes ist ja gerade zu offensichtlich gewesen, aber solche Dinge wie, wie beispielsweise den weißen Kleber auf den Finger abzuschmieren und jemanden vor die Nase zu halten, unnötig zu erwähnen, was dazu gesagt wurde oder welche Art Witze das ergab. Verstehen sie ja. Die Mädchen verschonten wir erst recht nicht, nein. Im Nachhinein betrachtet, war es auch auf kindliche Art und Weise kriminell: Wir luden diese Sachen aus dem Netz runter, brannten sie auf die damals üblichen 700 Megabyte CDs, beschrifteten alles und kritzelten auch irgendwelche Smileys drauf, und dann verkauften wir das Zeug an die ganzen verweichlichten Kinder, die mit irgendwelchen Internetsperren oder sowas von ihren Eltern gestraft waren. Ich glaube zwei bis fünf Euro das Stück, ohne Materialkosten. Wer schlau war, brachte uns die CD von selbst, der Rest kriegte einen ordentlichen Aufpreis. Geld war ja auch etwas Neues, Begehrenswertes. Ich weiß ja nicht, was sich die Mädchen dabei dachten, so blind konnten die ja nicht sein, zu mindestens, wann wir ihnen den Kleber vor die Nasen hielten, werden sie schon begriffen haben, die haben ja auch immer so blöd gegrinst. Darf ich mich da so ausdrücken? Wir fühlten uns schon überlegen, also ich glaube, diese ganze Männlichkeit und Coolness, die sie uns in all den Action-Filmen und in meinem Fall Hip Hop Liedern vermittelt haben, die haben wir halt auf diese Weise verarbeitet. Ich sage das jetzt ganz nüchtern: Eminem rappte von Dicks und Dickheads, und das war schon cool, das zu verstehen und zu wissen, was damit geht. Kann man das so sagen? Man verstand ja in dieser fremden Sprache nur das Offensichtliche. Genau. Ich verstand die Mädchen niemals recht. Heute weiß ich ja bescheid, also nett war das alles nicht, aber die haben ja direkt Angst gehabt vor uns, als ob sie nicht wüssten, was geht. Mir kam schon vor, sie hätten Angst vor uns gehabt, dabei war es ja witzig gemeint. Ich kenne heute halt keine, die da zurückblickend nicht lachend würde, die mir nicht in die Augen schauen und dann lachen oder grinsen würde. Keine einzige.“
„Zwölf. Doch, da bin ich mir fast sicher, es war so circa im Alter von Zwölf. Da hat alles, was die Sache betrifft, angefangen, da habe ich aufgehört Sammelkartenspiele zu spielen. Mit Zwölf war es mir dann nicht mehr egal, welche Unterhosen meine Mutter mir kaufte.“
Copyright © Boris Matic, 2011
we’ve seen those mountains kneeling, felten and grey
we thought our very hearts would up and melt away
from that snow in the nighttime
JUST GOING
AND GOING
…
i’ve seen your bravery, and I will follow you there
we’ve seen those mountains kneeling, felten and grey
we thought our very hearts would up and melt away
from that snow in the nighttime
JUST GOING
AND GOING
…
i’ve seen your bravery, and I will follow you there